„Das deutsch-jüdische Theater ist eine Begegnungsstätte mit der reichhaltigen jüdischen Kultur. Es ist ein Ort der Toleranz und Freundschaft und ich wünsche mir, dass wir noch lange in dieser schönen und spannenden Stadt spielen können. Ich danke unserem Publikum, allen Freunden und Förderern, die uns all die Jahre begleitet haben und unser Theater zu einem Erfolg gemacht haben“ (Dan Lahav, Intendant)

Die Kunst

Schon als Jugendlicher bekam Dan Lahav die Gelegenheit neben seiner Arbeit als Erzieher für schwer erziehbare Kinder bei Marcel Marceau Pantomime zu lernen. So entdeckte er sein schauspielerisches Talent. Er spielte im Theater „Tilon“ - dem ersten Kindertheater in Israel. Dieses konnte er dann später in seinen 20er ausbauen und am Nationaltheater Habima auftreten. Seine Liebe zum Theater war geboren. Er studierte an der Universität Schauspiel und Regie, arbeitete in Habima Theater zusammen mit den berühmtesten Regiesseuren um sich weiter zu bilden, spielte im Theater Gescher, dem ersten deutschsprachigen Theater in Tel Aviv, und leitete Theaterkurse für Jugendliche.

Doch auch in der Malerei war er sehr erfolgreich. Dank seines Talentes konnte er als Jugendlicher in einem nationalen Wettbewerb eine Reise nach Europa gewinnen für die er sich viel Zeit nahm. Neben weiteren europäischen Metropolen war eines seiner Ziele West-Berlin. Die Stadt gefiel im so gut, dass er zwei Jahre blieb. In dieser Zeit knüpfte er viele enge Kontakte, auch zu Künstler und Leute aus der Theaterszene. Unter anderem, trat er im Schiller Theater in Berlin auf. Wieder in Israel angekommen, widmete er sich seiner Familie. Er heiratete und bekam in den folgenden Jahren zwei Kinder. Er sammelte weiter Erfahrung mit Regiearbeiten im Theater, malte viel und hatte mehrere Ausstellungen seiner Bilder in Tel Aviv und Haifa.

1980 kam eine große Wende in seinem Leben. Es zog ihn zurück zu den Wurzeln seiner Familie. Da er West-Berlin schon kannte, dort Kontakte hatte und die Stadt liebte, zog er mit seiner Familie nach reifer Überlegung dorthin – zunächst nur mit der Idee einige Jahre dort zu verbringen. Dan war fasziniert von der Stadt, die zwar eingemauert und scheinbar isoliert, aber in Wirklichkeit schon damals eine Anziehungspunkt für Kreativität und Kunst war. Sein großer Traum bestand darin die jüdische und israelische Kultur in Deutschland wieder aufleben zu lassen, die jüdische Tradition für die Bevölkerung in Deutschland verständlicher zu machen und näher zu bringen. Man darf dabei nicht vergessen, dass die deutsche Nachkriegsgeneration sich durchaus dem Grauen, das der Holocaust mit sich gebracht hatte, bewusst war. In der damaligen Zeit des kalten Krieges spielte die politische Gesinnung, z.B. ob man konservativ oder linksliberal war, eine deutlich wichtigere Rolle, so dass andere Religionen, Kulturen und Nationalitäten willkommen waren. Die Begebenheiten für Juden nach Deutschland zurück zu kehren waren also gut. Und tatsächlich existierte damals in Berlin schon wieder eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Die Überzeugung und der Mut der zurückgekehrten Juden sowie die neu gewonnene Toleranz und Neugier der Deutschen besiegten den Jahre zuvor geschürten Hass und das Misstrauen zwischen den Völkern. Und die Belohnung lag auf der Hand: Ein gutes Miteinander indem der Mensch und nicht seine Herkunft, Religion oder Kultur im Vordergrund stand.

Es fing eine Periode der Gewöhnung und Anpassung an. Aber sobald sich die Familie eingelebt hatte, widmete sich Dan wieder ganz der Kunst und Kultur. Er eröffnete eine Galerie in der er versuchte alle Formen der Kunst zu präsentieren. Neben Bildern und Gemälden traten dort auch Entertainer auf und wurden kleine Theaterstücke aufgeführt. Doch er wollte mehr erreichen, insbesondere ein größeres Publikum begeistern. So organisierte er im Jahr 1987, als Berlin 750 Jahre feierte, die größte israelische Kunstausstellung die jemals in Berlin stattfand. Im Anschluss daran leitete er mehrere Veranstaltungen im Zuge der Jüdischen Kulturtage in verschiedenen Städten Deutschlands. Des weiteren leitete er drei Jahre die Jüdischen Kulturtage in Berlin und gründete den „Berliner literarischen Salon“ neu.

Um seine Vision von dem Miteinander der verschiedenen Religionen und Kulturen voranzubringen, gründete er eine Künstleragentur, die sich insbesondere um den Austausch israelischer und jüdischer Künstler in aller Welt kümmerte. Unter anderem brachte die Schauspielerin Gila Almagor für Auftritte nach Berlin, organisierte die erste Einladung der Stadt Berlin für die Theatergruppe vom Habima Nationaltheater, die in Berlin auftrat. Dies war die erste Aufführung des Habima Theaters in Berlin seit ihrem Auftritt in der Stadt unter dem Namen Moskauer Akademischem Jüdisches Theater mit dem Dybbuk von Anski Ende des 19 Jahrhunderts. In der Überzeugung das eine tolerante Kunst auch politische Barriere zu überwinden vermag, führte Dan Verhandlungen mit der Kulturabteilung der DDR, um das Orchester der DDR nach Tel Aviv zu bringen, was dann aber durch die einschneidenden politischen Ereignisse der Wende und des Mauerfalls unterbrochen wurde.

All diese Erfolge konnten einen zielgerichteten Menschen wie Dan nur anspornen einen Schritt weiter zu gehen. Und der konnte nur sein, eine permanente Institution zu schaffen, die darauf gerichtet ist, in kultureller Vielfalt als Plattform für Toleranz aller Religionen und Traditionen zu dienen. Die Gründung des ersten Jüdischen Theaters in Berlin, seit dem Dritten Reich, wurde vollzogen.