„Das deutsch-jüdische Theater ist eine Begegnungsstätte mit der reichhaltigen jüdischen Kultur. Es ist ein Ort der Toleranz und Freundschaft und ich wünsche mir, dass wir noch lange in dieser schönen und spannenden Stadt spielen können. Ich danke unserem Publikum, allen Freunden und Förderern, die uns all die Jahre begleitet haben und unser Theater zu einem Erfolg gemacht haben“ (Dan Lahav, Intendant)

Das Theater

Kein Theater von Juden für Juden mit Juden wollte Dan Lahav machen, als er im Frühjahr 2001 das erste jüdische Theater Berlins nach mehr als 60 Jahren gründete. Vielmehr sollte das Jüdische Theater BAMAH (hebr. Bühne) ein Theater werden für alle, die sich für jüdische Kultur interessieren und sich mit ihr auseinandersetzen wollen. Das Konzept ging auf: Das Jüdische Theater BAMAH entwickelte sich bald zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Berliner Theaterlandschaft. Gleichermaßen der Tradition und der Moderne verpflichtet, präsentierte das Theater sowohl klassisches ostjüdisches Theater als auch zeitgenössische Theaterstücke aus Israel. Mit aufwendigen Produktionen würdigte man große Namen wie Friedrich Holländer, Georg Kreisler, Kurt Tucholsky, Heinrich Heine und Felix Mendelssohn.

Mit „Else“ (Lasker-Schüler) von Motti Lerner, „Wien auf dem Meer“ von Edna Mazja, „Die Braut und der Schmetterlingsfänger“ von Nisim Aloni, „Sie und Er und mehr“ von Ephraim Kishon und Isaac Bashevis Singers „Zum Teufel noch mal“ löste das Jüdische Theater seinen Anspruch ein, auch modernes israelisches Theater dem deutschen Publikum zugänglich zu machen. Ebenfalls auf dem Programm: erfolgreiche Sonderveranstaltungen wie „Schabat Schalom – ein Freitagabend bei einer jüdischen Familie“ und „Der Osterhase erzählt die schönsten Pessach-Geschichten“ bietet das Theater darüber hinaus „Judentum zum Anfassen“. Aber auch Gastspiele gehörten schon früh zur Arbeit der Bühne. Im November 2005 führte eine Reise nach Hamburg, um die "Jüdischen Kulturtage" der Hansestadt zu ergänzen.

Im Mai 2004 bezog das Jüdische Theater BAMAH seine neue Spielstätte in der ehemaligen „Filmbühne am Steinplatz“ in Berlin-Charlottenburg. Die Schauspielerin Iris Berben übernahm die Schirmherrschaft für das Theater, dessen offizielle Eröffnung im September d. J. stattfand. Nach Jahren der provisorischen Unterbringung am Berliner Hohenzollerndamm etablierte sich damit das Jüdische Theater als „richtiges“ Theater im Westberliner Theaterviertel: mit spannenden Premieren, Gastspielen berühmter Künstler und unvergesslichen Musikabenden. Im Jahr 2006 zog das jüdische Theater in die Neuköllner Jonasstraße in den wunderschönen alten Ballsaal Willi Meisels. Ausgerechnet in der ehemaligen Tanzschule, wo einst Nazi-Offiziere ihre Feste gefeiert hatten, gab es von nun an jüdisches Theater.

Vom Herbst 2011 bis zum Frühjahr 2014 hatte das Theater, das sich mittlerweile von BAMAH (hebr. Bühne) in BIMAH (hebr. mittlere Bühne) umbenannt hatte, seine Spielstätte im Berliner Admiralspalast. Dort standen vor allem zeitgenössischer Stücke israelischer, englischsprachiger-, amerikanischer- und deutsch-jüdischer Autoren auf dem Spielplan. So z. B. „Bent“ von Martin Sherman, „Das Zimmer“ von Harold Pinter oder Stücke wie „Das Geheimnis der Pianistin in der 5. Schublade“ – mit stark autobiographischen Zügen des Intendanten Dan Lahav und dessen hamburgisch-jüdischen Familiengeschichte. „Esther Glick“ ist die fiktive Geschichte der ersten jüdischen Detektivin, die die Eingebungen zur Lösung ihrer Fälle beim Kochen bekommt. Besonders sorgte die Inszenierung „Eine unglaubliche Begegnung im Romanischen Café“ für Aufsehen – eine fiktive Begegnung von Lotte Lenya, Else Lasker-Schüler, Kurt Tucholsky und Friedrich Hollaender einen Tag vor ihrer Emigration aus Nazi-Deutschland. In „Shabat Shalom“ erlebt das Publikum einen Freitagabend in einer jüdischen Familie. Abende zu Kurt Tucholsky und Ephraim Kishon ergänzten das Programm und tauchen auch heute noch immer wieder auf dem Spielplan auf.

Das Theater fühlt sich außerdem der politischen und gesellschaftspolitischen Bildungs- und Erziehungsarbeit verpflichtet, so durch die Unterstützung von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei Migranten oder der Polizei. Als bereits zugesagte und fest eingeplante Fördermittel plötzlich gestrichen wurden, musste das „Jüdische Theater Bimah“ in der Friedrichstraße im Frühjahr 2014 seine Pforten schließen und sich nach einem günstigeren aber vielleicht noch besserem Standort umzuschauen.„Anscheinend liegt die Neigung zum Wandern und Weiterziehen in den Genen unseres Volkes“, meint dazu Intendant Dan Lahav mit der ihm eigenen Selbstironie. Bei seiner Suche nach einem neuem Standort wurde er in der Meinikestraße 24 am Kurfürstendamm fündig, wo die großzügigen Räume einer ehemaligen juristischen Buchhandlung erstaunliches Potential für einen Umbau in ein Theater boten. Was dann folgte war ein „episches Theater“ ganz eigener Qualität: Planungen, Anträge, Auflagen, Umplanungen bestimmten die Szene, in der zunächst einmal Brandschutz, Baupolizei usw. die Hauptrollen spielten.

Als „Theater Größenwahn“ konnte man dann im Sommer 2015 den Spielbetrieb am Kurfürstendamm wieder aufnehmen und Berlin hat nun seine deutsch-jüdische Bühne endlich zurück. Der neue Name ist dabei nicht selbstironisch gewählt, sondern vielmehr eine augenzwinkernde Hommage an das legendäre „Kabarett Größenwahn“, das in den 1920er-Jahren nur einen Steinwurf entfernt am heutigen Kranzler-Eck im ehemaligen „Café des Westens“ ein Zentrum des Berliner Geisteslebens darstellte. Jener Tradition fühlt sich das Theater verpflichtet und räumt scharfsinniger Satire mit jüdischem Witz den größten Raum auf dem Spielplan ein.

Daneben spielen auch wieder ehrgeizige Projekte des interkulturellen Brückenbaus eine wichtige Rolle. Im Projekt „Shalom – Salam, wohin?“ treffen jüdische, muslimische und christlich geprägte Jugendliche aufeinander, um die Problematik des neuen Antisemitismus und des Antiislamismus vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte zu thematisieren